Berichte zu den einzelnen Aktivitäten des Ortsverbandes ab 2017
Mühlenfest in Bergheim
Flohmarktaktion 2016
Putzaktion 2015
Tag der offenen Tür 2015
UKW-Contest 2017

Eine Führung der Extraklasse
Radiomuseum Duisburg – eindrucksvoll – informativ – umfassend
Eine Gruppe Rheinhausener Funkamateure unter Leitung des Vorsitzenden Horst Indek hatte vor einiger Zeit das Radiomuseum in Duisburg Ruhrort besucht und war begeistert. Nach seinem Bericht im Club wurde schnell der Wunsch laut, diesen Besuch zu wiederholen. Am 11. März trafen sich weitere interessierte Funkfreunde im Museum, das Eigentum eines Vereins vom Radio begeisteter Sammler ist. Mit dem Leiter des Museums, Herr Wilfried Meier war eine Führung vereinbart. Diese begann mit der Vorführung eines mechanischen Abspielgeräts aus der Zeit, bevor es das Radio gab. Die Unterhaltung, die Musik kam von einer gelochten Blechscheibe und klangen entsprechend. Der allgemeine Rundfunk wurde in Deutschland 1923 eingeführt,
Die ersten Empfangsgeräte der einfachsten Art kamen noch ohne Strom aus. Sie bestanden nur aus einem Kristalldetektor und einem Kopfhörer. Dazu brauchte man noch eine Langdrahtantenne im Garten. Radiohören begann mit dem kleinen Abenteuer, mit der Nadel auf dem Kristall eine Stelle zu finden, wo eine Empfangs-Gleichrichtung stattfand.
Die ersten Röhrengeräte kurze Zeit später hatten dann schon einen Trichterlautsprecher, wie wir ihn von „His Masters Voice“ (mit Hund davor) kennen.
Die nächsten Geräte sind in Gruppen nach Jahrzehnten sortiert. Der bekannte Volksempfänger VE 301 konnte in mehreren Versionen bestaunt werden. Der dazu passende politische Hintergrund wurde gleich mitgeliefert: Das Abhören ausländischer Sender ist ein Verbrechen! stand auf eigens an jedem Gerät angebrachten Hinweisschildern. VE 301 bedeutet VolksEmpfänger zur Machtergreifung am 30.1.1933.
Das erste nach dem Krieg gebaute Radio war der Heinzelmann von Grundig. Da unsere Besatzer den Bau von Radios nicht zuließen, brachte Max Grundig einen Bausatz auf den Markt, dagegen hatten die Alliierten nichts, sie hatten diesen als Spielzeug eingeordnet. Die Bauteile lieferte damals ein Herr Conrad, heute ist diese Firma führend im Elektronik-Versandhandel. Als dann der Bau von Radios dann erlaubt war, hatte natürlich Grundig die Nase vorn.

Ein weiteres, weit verbreitetes Rundfunkgerät war nach 1945 die Philips Philetta, ein kleines Gerät, das über 3 Jahrzehnte  gebaut wurde und in zahlreichen Varianten in den Regalen steht.
Bei den „Wohnzimmergeräten“ sind alle seinerzeit bekannten Firmen vertreten. Die älteren Modelle zeichneten sich durch einen Vielfalt von Gehäuseformen aus. Später stellte sich  eine gewisse Gleichförmigkeit ein. Es gab eine Skala, drei oder vier Drehknöpfe, später eine Reihe von Tasten, eine mit „goldenem“ Stoff bespannte Fläche, auf der von innen der Lautsprecher befestigt war.
Die nächste Klasse waren dann die Musiktruhen mit zum Teil aufwändiger Technik. In der Luxusklasse gehörte Sendersuchlauf zur normalen Ausrüstung. Ein Prachtstück der besonderen Art ist die Truhe Königin-von-Saba. Sie ist ausgestattet mit allem, was es zu dieser Zeit an Elektronik gab. Radio mit Stereo-Plattenspieler, Tonband und S-W-Fernseher. Für den Transport wurden Spediteure gebraucht. Der Preis lag 1960 auf der Höhe eines Volkswagens. Solche hochwertigen und entsprechend teuren Geräte wurden gerne als Staatsgeschenk bei Reisen der Politiker ins Ausland mitgenommen.
Schon sehr früh gab es die so beliebten Kofferradios. Anfangs hatten sie tatsächlich Form und Größe eines Koffers. Auch das Gewicht war eine Klasse für sich. Ein eingebauter Bleiakku und eine spezielle Batterie brachten einiges auf die Waage.

Viele der Rundfunkgeräte im Museum sind noch betriebsbereit. Und ein Schaltbild von jedem Modell gibt es selbstverständlich auch.
Eine weitere Abteilung widmet sich den Tonträgern. Jüngere Besucher stießen da auf Aufnahme-, bzw. Abspielgeräte, von denen sie noch nie gehört hatten. Schallplatten und Tonband waren allgemein bekannt. Aber Tefifon? Nie gehört! Dabei handelt es sich um ein ca. 2cm breites sehr festes und endloses Band aus Kunststoff. Darauf geprägt waren Rillen, die, wie bei der Schallplatte, die Musikinformation enthielten. Es waren 10 oder 15 solche Rillen nebeneinander. Eine Kassette hatte zum Beispiel eine Laufzeit von sechs Stunden Das war damals Rekord! Musik für die ganze Silvesterparty an einem Stück.
Ein weiteres interessantes Gerät wurde ursprünglich für Spione entwickelt. Ein Gerät zum Aufzeichnen und Abspielen von Sprache. Auf einen dünnen langen Stahldraht auf zwei kleinen Spulen konnten die Information magnetisch aufgezeichnet und dann davon wieder abgespielt werden. Diese Geräte zeichneten sich durch sehr geringes Volumen, quasi für die Westentasche, und große Kapazität aus. Sie kamen später auch in den allgemeinen Verkauf, haben sich dann schließlich auch nicht durchgesetzt, oder wurden von moderneren Techniken verdrängt.
Bei den Sondergeräten war die bekannte Dreifachröhre der Fa. Loewe Typ 3NF zu bewundern. Fast ein ganzes Radio in einer Glaskolben. In der Größe konnte sie mit einer Flasche für Mineralwasser konkurrieren. Versagte ein System in diesem Glaskolben, so wurde dieser zwecks Reparatur ins Herstellerwerk eingeschickt und wieder instand gesetzt.
Fast zu jedem Radio hätte man eine Geschichte schreiben können, und es gab sehr viele Geräte, eine große Bandbreite vom Anfang dieser Technik bis in die Neuzeit.
Auch bei diesem Besuch waren die Funkfreunde wieder sehr angetan. Die Anzahl und die Vielfalt hat überzeugt. Noch mehr überzeugt hat die lockere, aber sehr fachkundige Führung, die nicht nur die Technik umfassend darstellen, sondern auch die zeitlich dazu passenden politischen Hintergründe liefern konnte.

DJ4RP
30.3.2017

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